Strafanzeige gegen Arbeitgeber nicht erlaubt

| Kündigung

Ist eine Strafanzeige gegen den Arbeitgeber nicht erlaubt?

Krach zwischen Arbeitnehmer und dem Chef oder dem Vorgesetzten gibt es oft. Anlass kann eine Versetzung, die Ablehnung einer Gehaltserhöhung oder ein sonstiges Streitgespräch sein. Spitzt sich die Situation am Arbeitsplatz aber derart zu, dass ein Arbeitnehmer aus Wut über das Verhalten des Arbeitgebers oder des Vorgesetzten, diesen bei der Polizei anzeigen will, riskiert er eine Kündigung, sogar fristlos.

Fühlt sich  der Mitarbeiter ungerecht behandelt und will dem Arbeitgeber deshalb eins auswischen, indem er ihn zum Beispiel wegen des Verdachtes der Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit oder ähnlichem anzeigt, wird dies eine Kündigung des Arbeitgebers nach sich ziehen. Die Strafanzeige eines Arbeitnehmers gegen seinen Arbeitgeber oder einen Vorgesetzten bedeutet eine erhebliche Verletzung der arbeitsvertraglichen Treuepflicht, die zur Kündigung berechtigt.

Insbesonder wenn die Strafanzeige wissentlich unwahre oder leichtfertig falsche Angaben enthält, wenn sie in Schädigungsabsicht oder aus Rache erfolgt, wird eine Kündigung zugelassen. Im Einzelfall kann eine Kündigung sogar dann erlaubt sein, wenn die Strafanzeige zwar keine unzutreffenden Angaben enthält, der Arbeitnehmer aber nicht vorab versucht hat, den Vorwurf innerbetrieblich zu klären. Hierzu ist der Arbeitnehmer immer dann verpflichtet, wenn er erwarten kann, dass der Arbeitgeber einer Beschwerde nachgeht, wenn der Arbeitnehmer zum Beispiel einem Vorgesetzten Untreue zu Lasten der Firma vorwirft (Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 03.07.2003, 2 AZR 235/02). Nur wenn der Arbeitgeber es ausdrücklich ablehnt, auf Beschwerden des Arbeitnehmers zu reagieren, obwohl die erhobenen Vorwürfe berechtigt sind, ist eine  Strafanzeige berechtigt. Nur dann braucht der Arbeitnehmer keine Kündigung zu befürchten.

 

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