Kündigung wegen Kreditkartenmissbrauch

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Kündigung nach Kreditkartenmissbrauch der Firmenkreditkarte

Mein Arbeitgeber hat mir eine Firmenkreditkarte für Auslandsreisen zur Verfügung gestellt. Da ich die Karte auch mal privat benutzt habe, will der Arbeitgeber mir nun kündigen. Ist das rechtens?

 

Die Überlassung einer Kreditkarte durch den Arbeitgeber ist faktisch wie ein Spesenvorschuss zu werten. Sollte es keine ausdrückliche Vereinbarung über eine erlaubte Privatnutzung für Sie als Mitarbeiter geben, ist grundsätzlich jegliche private Nutzung untersagt. Haben Sie die Firmenkarte dennoch zu ihren privaten Zwecken eingesetzt, stellt das einen Verstoß gegen die Ihnen obliegende Verpflichtung dar, auf das Vermögen des Arbeitgebers Rücksicht zu nehmen.

Ein solcher Missbrauch kann – aber erst nach erfolgter Abmahnung – im Wiederholungsfall zu einer Kündigung führen. Eine Abmahnung kann aber ausnahmsweise entbehrlich sein, wie das Landesarbeitsgericht Nürnberg (Urteil vom 03.02.2015, 7 Sa 394/14) entschieden hat: Hier hatte der Mitarbeiter sowohl mit der Kreditkarte Bargeld abgehoben und teilweise für sich privat genutzt, wie auch einen Flug für sich privaten mit der Kreditkarte gebucht, jedoch den Arbeitgeber hierauf wieder hingewiesen noch im Zuge seiner Spesenabrechnungen den privat verwendeten Betrag verrechnet bzw. an den Arbeitgeber erstattet.

Der Mitarbeiter hatte sich somit nicht nur ein ungenehmigtes „kurzfristiges Darlehen“ genommen, aber das Geld umgehend dem Arbeitgeber erstattet, sondern den Arbeitgeber hierüber erst einmal über die private Nutzung der Kreditkarte im Unklaren gelassen. Der Arbeitnehmer mussaber seinen Arbeitgeber umgehend über eine etwaige private Nutzung der Kreditkarte und den Umfang unterrichten und die Beträge von sich aus schnellstmöglich erstatten, damit ein solches Verhalten nicht als Untreue oder Betrug gewertet werden kann. Dass der Arbeitgeber die Kreditkartenabrechnung erhält, reicht nicht aus, weil hieraus nicht ohne weiteres ersichtlich ist, welche Ausgaben dienstlich veranlasst sind und welche privat erfolgten.

Ohne unaufgeforderte Information des Arbeitgebers und kurzfristige Erstattung der privaten Ausgaben stellt dies einen so schwerwiegenden Verstoß dar, dass der Arbeitnehmer nicht mit einer Billigung dieses Verhaltens seitens des Arbeitgebers rechnen kann und eine Abmahnung vor Ausspruch der Kündigung ist folglich entbehrlich.

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Bildquellenangabe: Tony Hegewald  / pixelio.de


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