Weihnachtsgeld trotz Krankheit

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Krank sein und trotzdem Weihnachtsgeld bekommen?

Ist der Arbeitnehmer in einem Jahr auffallend lange krank gewesen, stellt sich für ihn die Frage, ob er überhaupt Anspruch auf Weihnachtsgeld hat. Das hängt davon ab, was der Arbeitgeber mit der Sonderzahlung bezweckt: Soll der Arbeitnehmer nur zusätzliches Gehalt für die zurückliegende Arbeit bekommen oder soll er bewegt werden, auch in der Folgezeit möglichst lange im Unternehmen zu bleiben ?

Die bloße Zusatzvergütung erkennt man daran, dass der Arbeitgeber ein 13. Gehalt verspricht, ohne dies an weitere Bedingungen zu knüpfen. Das Weihnachtsgeld ist dann als reine Gehaltszahlung zu behandeln. Deshalb gilt hier der Grundsatz: Ohne Arbeit kein Geld. Hat der Arbeitnehmer nicht das ganze Jahr über gearbeitet, weil er länger krank war, so dass er nach Ablauf der Entgeltfortzahlung nach sechs Wochen durch den Arbeitgeber Krankengeld bezogen hat, reduziert sich automatisch kraft Gesetzes monatlich anteilig die Sonderzahlung.

War der Arbeitnehmer das ganze Jahr über krank, entfällt das 13. Gehalt völlig (Bundesarbeitsgericht Urteil vom 21.03.2001 10 AZR 28/00)Bezweckt der Arbeitgeber über die zusätzliche Bezahlung der geleisteten Arbeit hinaus die Bindung des Arbeitnehmers an den Betrieb, lässt sich dieses Ziel daran erkennen, dass der Arbeitnehmer das Weihnachtsgeld ganz oder teilweise zurückzahlen muss, wenn er das Arbeitsverhältnis im Folgejahr beendet. Ein ungekündigtes Arbeitsverhältnis als Bedingung für die Zahlung des Weihnachtsgeldes spricht für diesen Gratifikationscharakter.

Dann kommt es nicht auf die geleistete Arbeit im zurückliegenden Jahr an, so dass auch bei längerer Krankheit nicht automatisch der Anspruch auf das Weihnachtsgeld entfällt. Nur wenn es vor Beginn der Krankheit vereinbart wird, darf der Arbeitgeber für Krankheitszeiten anteilig das Weihnachtsgeld kürzen. Diese Kürzungsregelung kann im Arbeitsvertrag enthalten sein oder im Tarifvertrag, der die Zahlung des Weihnachtsgeldes vorsieht.

§ 4 a des Entgeltfortzahlungsgesetzes erlaubt grundsätzlich die krankheitsbedingte Kürzung des Weihnachtsgeldes, begrenzt diese der Höhe nach aber gleichzeitig auf maximal ein sechzigstel der Sonderzahlung pro Krankheitstag.

 

 

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Bildquellenangabe: Jorma Bork  / pixelio.de


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