AU-Bescheinigung Beweiswirkung

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Eine Frage zum Thema AU-Bescheinigung Beweiswirkung:

Ich bin seit zwei Wochen aufgrund einer psychischen Störung krankgeschrieben. Mein Arbeitgeber hat mich schon mehrfach vom Sekretariat anrufen lassen, um zu fragen, wann ich wieder einsatzbereit bin. Beim letzten Mal wurde mir vermittelt, dass der Chef glaubt, ich sei ein Simulant! Wie kann ich mich wehren?

Die ordnungsgemäß ausgestellte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung eines Arztes stellt zunächst einmal den Beweis für Ihre Erkrankung dar. In der ärztlichen Bescheinigung muss das Datum der Feststellung der Arbeitsunfähigkeit enthalten sein, wie auch deren voraussichtliche Dauer. Der Bescheinigung muss eine Untersuchung des erkrankten Mitarbeiters voraus gegangen sein. Außerdem ist eine rückwirkende Krankschreibung grundsätzlich unzulässig.

Der Arbeitgeber kann den Beweiswert der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erschüttern, indem er Tatsachen nachweist, die zu ernsthaften Zweifeln an der bescheinigten Arbeitsunfähigkeit führen. Das ist beispielsweise dann möglich, wenn der Mitarbeiter zuvor vergeblich Urlaub beantrag oder die Erkrankung angekündigt hat. Genauso sprechen eine strapaziöse sportliche Betätigung oder eine anderweitige Arbeitstätigkeit gegen die Erkrankung.
Zudem hat der Arbeitgeber die Möglichkeit, nach § 275 SGB V den medizinischen Dienst der Krankenkasse mit der Untersuchung des erkrankten Mitarbeiters zu beauftragen, wenn begründete Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit vorliegen. Dann muss der Arbeitnehmer auffällig oft oder auffällig häufig nur für kurze Zeit erkrankt sein oder der Beginn oder das Ende der Arbeitsunfähigkeit fiel wiederholt auf einen Arbeitstag zu Beginn oder am Ende einer Woche.
Die Krankenkasse kann dennoch die Untersuchung ablehnen, wenn sich aus den vorliegenden Unterlagen des behandelnden Arztes die Richtigkeit der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ergibt.

Solange Ihr Arbeitgeber mithin keine berechtigten Zweifel an Ihrer Erkrankung vorbringen kann, sind seine Unterstellungen haltlos und irrelevant.

Wenn Sie weitergehende Fragen zum Thema AU-Bescheinigung haben, wenden Sie sich an unsere Fachanwälte für Arbeitsrecht.


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