Arbeitszeugnis ohne Dank vom Arbeitgeber

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Mein Arbeitszeugnis wurde mir ohne Dank vom Arbeitgeber ausgestellt

Wieder einmal hat das Bundesarbeitsgericht ein Machtwort gesprochen: Mit Urteil vom 20.02.2001 (9 AZR 44/00) hat es klargestellt, dass sich der Arbeitgeber in einem Zeugnis weder für die geleistete Arbeit bedanken muss, noch gute Wünsche für die Zukunft aussprechen; und das Ausscheiden des Arbeitnehmer muss er auch nicht bedauern.

Nach § 109 Gewerbeordnung hat der Arbeitgeber lediglich dem Arbeitnehmer bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses ein Zeugnis über Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses sowie über Führung und Leistung zu erteilen. Da aber die Dankesformel weder Führung noch Leistung betrifft, muss sie am Ende des Zeugnisses nicht erscheinen.

Das Zeugnis muss aus sich heraus verständlich sein und darf keine sogenannten "Geheimzeichen" enthalten, aus denen sich eine Distanzierung des Arbeitgebers vom Zeugnistext ergibt. Das Fehlen der sogenannten Schlussformel (Dank und gute Wünsche) ist aber nicht als versteckte Kritik zu werten. Dennoch ist dieses Urteil für viele Arbeitnehmer eine Verschlechterung, weil es bisher üblich war, eine gute Zeugnisbeurteilung mit der  Dankesformel und guten Wünschen zu beenden. Sind Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Streit auseinander gegangen, dürfte dies künftig am Fehlen der Dankesformel abzulesen sein: Kein Arbeitgeber bedankt sich im Zeugnis für die geleistete Arbeit, wenn die Tätgkeit nicht der Rede wert war, und kein Arbeitgeber bedauert das Ausscheiden, wenn er froh ist, den Mitarbeiter los zu werden.

Positiv für Arbeitnehmer kann sich hingegen das Urteil des Bundesarbeitsgericht  vom 26.06.2001 (9 AZR 392/00) auswirken: Der Arbeitgeber muss nicht persönlich das Zeugnis formulieren und unterschreiben, es genügt auch die Unterzeichnung durch einen Vertreter, vorausgesetzt der Unterzeichner war Vorgesetzter des Arbeitnehmers.

 

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